WAZ Bericht aus den Stadtteilen Essen vom 22.07.2015

A 40-Sperrung

Steeler Straße: Kaufleute haben Einbußen

Schräge bearbeitet

Essen-Huttrop. Die Straße hat Charme, wären da nur nicht diese ewigen Baustellen, die dafür sorgen,
dass auch das Sanitätshaus am Wasserturm mauere Zeiten erlebt.
Wer schön sein will, muss leiden. So ist das wohl irgendwie auch mit dieser Steeler Straße, die seit ewig und drei Tagen den Menschen der Stadt immer wieder mal den Atem raubt, was in diesen Fällen aber kaum ihrer Schönheit geschuldet sein dürfte.

Viele, die gerne dort wohnen, shoppen oder schlendern. Die es zu schätzen wissen, dass man auf nur wenigen Metern oft viel geboten bekommt. Und doch: Diese ewigen Baustellen schlagen den Menschen aufs Gemüt. Und die Tatsache, dass durch die Sperrung der A 40 noch mehr Blech über die Steeler Straße walzt, macht’s irgendwie auch nicht besser.

Für Menschen wie etwa Jochen Kewitz nicht ganz so unproblematisch. 2013 wagte der aus einem wenig prickelnden Angestelltenverhältnis den Sprung in die Selbstständigkeit und führt seitdem das Sanitätshaus am Wasserturm.

Steeler Straße 196, das ist seitdem seine Geschäftsadresse – und auch Anlaufpunkt für alle, die mit Rezepten unterm Arm, defekten Prothesen oder dem Wunsch nach einer neuen Gehhilfe zu ihm kommen. „Den kennen wir, natürlich“, sprudeln drei ältere Damen fast vor Freundlichkeit. Und auch Kewitz ist zufrieden mit seinem Standort.

Wenn da nur nicht so oft diese Baustellen wären. Dass ein Tagesbruch im vergangenen Jahr Teile der Autobahn und damit auch viele Geschäfte vieler Geschäfte lahm legte, kann er verstehen. „Das konnte ja niemand ahnen.“

Was den Orthopädietechniker Kewitz aktuell aber stört, weil’s ihm wohl auch Umsatzeinbußen beschert: „Bescheid hat von offizieller Stelle niemand gesagt. Hätte ich früher gewusst, wann die A 40 gesperrt wird, dann hätte ich meinen Urlaub in diese Zeit gelegt.“ Verständlich. Wer geschlossen hat, der weiß, dass niemand kommt.

Und doch nimmt er’s vergleichsweise sportlich – was bleibt ihm auch übrig? Sein Internet-Shop, gegen den er sich lange gewehrt hatte, läuft gut, auch die Ärztedichte rund um das Terrain am Wasserturm ist hoch. Hoch genug zumindest, denn da Kewitz in der Nachbarschaft kaum bis keine Konkurrenz hat, gibt’s schon zu tun.

„Die ersten anderthalb Wochen waren schon hart, mittlerweile jedoch hat sich die Lage schon entspannt“, will er auch gar nicht lange auf dem Thema herumreiten. Schließlich seien ja auch noch Ferien, „und Donnerstag soll die Sperrung ja aufgehoben werden“.

Und so freut sich Jochen Kewitz bereits heute auf den nicht mehr weit entfernten Urlaub – und feilt zudem weiterhin an den beruflichen Plänen, die ein Ein-Mann-Betrieb wie der seine in die Tat umsetzen können, ohne, pardon, irgendwann am Stock zu gehen.

Ein Plan: ein Bettenstudio

Hinter dem blick- und schalldichten Beratungsraum, den man in Sanitätshäusern den Kunden einfach anbieten muss, da soll irgendwann in nicht allzu weiter Ferne mal ein kleines und wenig verschlafenes Bettenstudio entstehen. Lag irgendwie auch auf der Hand, denn mit durch Rückenschmerzen und Wirbelsäulenpro­bleme bedingten Schlafstörungen sollte sich einer wie Jochen Kewitz auskennen.

Apropos Schlafstörungen: Die hat der 48-Jährige nicht, oder zumindest noch nicht. Aber die nächste „Operation Steeler Straße“ kommt bestimmt. Denn wer schön sein will …

Norbert Ahmann